Impfschutz im Alter Die wichtigsten Impfungen ab 60 Jahren
Mit zunehmendem Alter verändert sich unser Körper. Das Immunsystem wird schwächer, und manche Krankheiten, die in jungen Jahren nur unangenehm waren, können im höheren Alter ernsthafte Folgen haben. Gerade deshalb ist ein guter Impfschutz im Alter so wertvoll. Er schützt Sie vor gefährlichen Infektionen und hilft Ihnen, Ihre Gesundheit und Lebensqualität zu bewahren. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Impfungen die Ständige Impfkommission für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt und warum diese Schutzmaßnahmen so wichtig sind.
Warum wird Impfschutz im Alter immer wichtiger?
Das menschliche Immunsystem ist unser natürlicher Schutzschild gegen Krankheiten. Doch mit den Jahren wird dieses Schutzschild dünner. Bei älteren Menschen funktioniert das Immunsystem nicht mehr so kräftig wie bei jüngeren Menschen. Das bedeutet, dass Infektionen schneller zu schweren Verläufen führen können. Eine harmlose Grippe kann zur Lungenentzündung werden. Eine Gürtelrose kann mit starken Schmerzen einhergehen, die lange anhalten. Pneumokokken-Infektionen können lebensbedrohlich sein.
Ein gutes Impfprogramm im Alter hilft, diese Risiken zu senken. Die Impfungen geben dem Immunsystem praktisch eine Auffrischung und sorgen dafür, dass der Körper Abwehrstoffe gegen bestimmte Krankheiten bildet. Das klingt einfach, ist aber eine der besten Methoden, um gesund zu altern.
Die wichtigsten Impfungen ab 60 Jahren
Grippe schützen mit dem Hochdosis-Impfstoff
Die jährliche Grippeimpfung ist für Menschen ab 60 Jahren eine zentrale Empfehlung. Das Influenzavirus verursacht jedes Jahr eine neue Grippewelle, die gerade für ältere Menschen gefährlich werden kann. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für schwere Komplikationen wie Lungenentzündungen stark an.
Die gute Nachricht: Für Ihre Altersgruppe gibt es einen speziellen Grippeimpfstoff. Menschen ab 60 Jahren erhalten einen Hochdosis-Impfstoff, der eine höhere Menge an Schutzstoffen enthält als der Standard-Impfstoff. Das macht Sinn, denn das alternde Immunsystem braucht diesen Extra-Boost, um optimal geschützt zu werden. Mit einer Wirksamkeit von 41 bis 60 Prozent bietet diese Impfung einen ausreichenden Schutz vor Infektionen.
Der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung ist zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember. Das ist sinnvoll, denn so sind Sie während der Erkältungs- und Grippesaison im Herbst und Winter bestmöglich geschützt. Die Impfung ist schnell erledigt und lässt sich perfekt mit anderen Impfungen kombinieren.
Pneumokokken: Schutz vor schweren Lungenentzündungen
Pneumokokken sind Bakterien, die ernsthafte Infektionen verursachen können. Sie sind ein häufiger Auslöser von Lungenentzündungen, die bei älteren Menschen zu Komplikationen führen können. Die STIKO empfiehlt daher allen Menschen ab 60 Jahren eine Pneumokokken-Impfung als Standardschutzimpfung.
Die aktuelle Empfehlung sieht vor, dass Sie mit einem 20-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff geimpft werden. Dieser Impfstoff schützt vor 20 verschiedenen Pneumokokken-Varianten und ist damit sehr wirksam. Das Beste daran: Sie benötigen normalerweise nur eine einzige Impfung. Das spart Zeit und macht die Sache unkompliziert.
Falls Sie bereits vor September 2023 gegen Pneumokokken geimpft wurden, sollten Sie frühestens nach 6 Jahren eine Auffrischung erhalten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber, ob und wann eine Auffrischung für Sie sinnvoll ist.
Gürtelrose: Impfung mit hoher Wirksamkeit
Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt, ist eine Viruserkrankung, die nur Personen bekommen können, die vorher bereits Windpocken hatten. Das Virus bleibt nach einer Windpocken-Infektion für immer in den Nervenzellen und kann mit zunehmendem Alter wieder aktiviert werden. Das Ergebnis ist Gürtelrose: ein schmerzhafter Ausschlag, der oft lange anhält und das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen kann.
Die gute Nachricht ist: Es gibt einen sehr wirksamen Impfstoff dagegen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt allen Menschen ab 60 Jahren eine Gürtelrose-Impfung mit einem Totimpfstoff. Für den vollständigen Impfschutz sind zwei Impfungen notwendig, die Sie im Abstand von 2 bis 6 Monaten erhalten. Mit einer Wirksamkeit von 92 Prozent ist diese Impfung besonders wertvoll. Sie werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit vor Gürtelrose geschützt.
Nach den aktuellen Empfehlungen benötigen Sie nach der Grundimmunisierung keine weitere Auffrischung. Das macht diese Impfung besonders praktisch, denn Sie haben nach diesen zwei Impfungen lange Zeit Schutz.
COVID-19: Anhaltender Schutz durch jährliche Auffrischung
Das Coronavirus ist immer noch präsent, und für Menschen ab 60 Jahren besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher zusätzlich zur Basisimmunität eine jährliche Auffrischimpfung im Herbst. Die Basisimmunität entsteht durch mindestens 3 Antigenkontakte, also durch Impfungen oder durchgemachte Infektionen.
Eine Auffrischimpfung mit dem aktuellen, saisonal angepassten Impfstoff verbessert Ihren Schutz wieder. Die Impfung schützt etwa 12 Monate vor einem schweren Krankheitsverlauf. Der Herbst ist der ideale Zeitpunkt für die Auffrischung, damit Sie während der kalten Jahreszeit mit höherer Infektionszahl gut geschützt sind.
RSV-Impfung: Besonders wichtig ab 75 Jahren
RSV, das Respiratorische Synzytial-Virus, ist eine Atemwegserkrankung, die gerade bei älteren Menschen zu schweren Verläufen führen kann. Seit August 2024 empfiehlt die STIKO allen Personen ab 75 Jahren eine einmalige RSV-Impfung.
Falls Sie zwischen 60 und 74 Jahren alt sind und eine schwere Grunderkrankung haben oder in einer Pflegeeinrichtung leben, wird die RSV-Impfung ebenfalls empfohlen. Der optimale Zeitpunkt ist der Spätsommer oder Herbst.
Tetanus und Diphtherie: Nicht vergessen
Neben diesen speziellen Impfungen für ältere Menschen sollten Sie auch an Ihren Schutz vor Tetanus und Diphtherie denken. Jeder Erwachsene sollte eine vollständige Grundimmunisierung gegen diese Erkrankungen haben. Falls Sie diese nicht im Kindesalter erhalten haben, sollten Sie diese unbedingt nachholen.
Für Menschen ab 60 Jahren mit vollständiger Grundimmunisierung wird eine Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie alle 10 Jahre empfohlen. Das ist relativ einfach zu merken und lässt sich leicht mit einem Zahnarztbesuch oder einer jährlichen Untersuchung verbinden.
Flexibilität bei der Impfung: Kombinationen sind möglich
Ein praktischer Hinweis: Viele dieser Impfungen können zeitgleich verabreicht werden. Sie müssen also nicht mehrmals zum Impfen gehen. Die Grippe- und COVID-19-Impfung lassen sich beispielsweise an einem Termin durchführen. Die Pneumokokken-Impfung kann zur gleichen Zeit erfolgen. Das spart Zeit und Aufwand.
Was tun, wenn Sie unsicher sind?
Wenn Sie nicht genau wissen, welche Impfungen Sie bereits haben oder ob Ihre Impfungen noch aktuell sind, ist das überhaupt kein Problem. Besprechen Sie dies mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. Diese kennen Ihre Krankengeschichte und können Ihnen einen maßgeschneiderten Impfplan erstellen. Gemeinsam können Sie überlegen, welche Impfungen für Sie prioritär sind und wann die beste Zeit dafür ist.
Fazit: Investition in Ihre Gesundheit
Impfschutz im Alter ist eine einfache und wirksame Investition in Ihre Gesundheit und Ihre Unabhängigkeit. Die Impfungen schützen Sie vor schweren Krankheitsverläufen und möglichen Komplikationen. Sie ermöglichen Ihnen, aktiv und lebendig zu bleiben und das Leben in vollen Zügen zu genießen.
Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sind auf wissenschaftliche Evidenz gestützt und basieren auf Jahren von Forschung. Sie zeigen deutlich: Ein guter Impfschutz ist eine der besten Maßnahmen, um gesund zu altern.


