Sicher auftreten mit Bandagen und Orthesen fürs Sprunggelenk
Einmal umknicken – und schon ist der Fuß dick, schmerzhaft und unsicher beim Auftreten. Viele Menschen kennen das: Nach einer Bänderdehnung oder bei angeborener Bänderschwäche fühlt sich das Sprunggelenk wackelig an, jeder Schritt ist mit Vorsicht verbunden. Genau hier können Sprunggelenkbandagen und Orthesen helfen. Sie geben Halt, entlasten die verletzten Strukturen und machen den Alltag wieder sicherer.
In diesem Beitrag stellen wir dir die wichtigsten Arten von Bandagen und Orthesen fürs Sprunggelenk vor und zeigen dir, worauf du beim Anlegen achten solltest. So kannst du besser einschätzen, welche Unterstützung für deine Situation passend sein könnte.
Warum das Sprunggelenk so leicht instabil wird
Das Sprunggelenk trägt bei jedem Schritt dein gesamtes Körpergewicht. Es wird von Knochen, Bändern und Muskeln stabilisiert. Knickst du um, werden die Bänder überdehnt oder reißen teilweise oder ganz. Die Folge kann eine anhaltende Instabilität sein: Das Gelenk kippt schneller weg, du stolperst leichter, und das Vertrauen in den eigenen Fuß geht verloren.
Bandagen und Orthesen haben dann zwei Aufgaben: Sie sollen Bewegungen, die erneut schaden könnten, begrenzen und gleichzeitig so viel Beweglichkeit zulassen, dass du dich im Alltag noch gut bewegen kannst.
Arten von Sprunggelenkbandagen
Sprunggelenkbandagen gibt es in vielen Varianten. Grob lassen sie sich in drei Gruppen einteilen:
Elastische Kompressionsbandagen
Diese Modelle bestehen meist aus elastischem Strickmaterial und werden wie eine Socke über den Fuß gezogen. Typisch sind:
- leichter, rundum gleichmäßiger Druck
- oft eine Aussparung an der Ferse
- teilweise eingearbeitete Zonen für mehr Halt seitlich am Knöchel
Sie kommen häufig zum Einsatz:
- bei leichten Verstauchungen
- bei Restbeschwerden nach einer überstandenen Verletzung
- zur allgemeinen Stabilisierung bei leichter Bänderschwäche
- als Unterstützung im Alltag oder bei moderater Bewegung
Der Vorteil: Sie sind dünn, passen gut in normale Schuhe und lassen sich schnell an- und ausziehen. Der Halt ist eher moderat, dafür ist die Beweglichkeit relativ gut erhalten.
Semi-elastische Bandagen mit Gurten
Eine Stufe stabiler sind Bandagen, die zusätzlich zum elastischen Grundmaterial Riemen oder Gurte haben. Diese werden kreuzförmig um Fuß und Knöchel geführt, ähnlich einem Tapeverband.
Einsatzbereiche
- nach einem Umknicken, wenn der Fuß noch empfindlich ist
- bei wiederkehrenden Umknickverletzungen
- bei sportlicher Aktivität, wenn du das Gefühl von mehr Sicherheit brauchst
- bei mittlerer Bänderschwäche
Vorteile
- mehr seitlicher Halt
- Bewegungen nach innen oder außen werden begrenzt
- Gurte können je nach Bedarf fester oder lockerer gezogen werden
Solche Bandagen sind ein guter Kompromiss: mehr Stabilität als reine Kompressionsbandagen, ohne so starr zu sein wie eine Orthese.
Sprunggelenkorthesen mit festen Elementen
Orthesen fürs Sprunggelenk sind meist deutlich stabiler. Häufig bestehen sie aus:
- zwei festen seitlichen Schalen, die am Unterschenkel anliegen
- einem weichen Fußteil
- Klettgurten, mit denen alles fixiert wird
Manche Modelle haben zusätzliche Zuggurte, andere kombinieren harte Schalen mit weicheren Polstern. Sie werden vor allem eingesetzt:
- direkt nach stärkeren Bandverletzungen
- wenn das Sprunggelenk sehr instabil ist
- zur sicheren Führung bei Belastungen, zum Beispiel beim längeren Gehen
- teilweise als Übergangslösung nach dem Gipsverband
Der Vorteil: sehr guter seitlicher Halt und klare Begrenzung schädlicher Bewegungen. Die Beweglichkeit wird stärker eingeschränkt, dafür fühlt sich der Fuß deutlich geführter an.
Wann ist was sinnvoll
Welche Unterstützung passt, hängt von mehreren Punkten ab:
- Wie stark war die Verletzung
- Wie lange liegt sie zurück
- Wie instabil fühlt sich dein Sprunggelenk im Alltag
- Wie aktiv bist du und welche Belastungen treten auf
Grob kann man sagen:
- leichte Bandagen bei leichten Beschwerden und zur Prävention
- Bandagen mit Gurtsystem bei wiederkehrendem Umknicken oder mittlerer Instabilität
- Orthesen bei ausgeprägter Instabilität oder in der frühen Phase nach einer stärkeren Verletzung, wenn noch viel Schutz nötig ist
Wichtig ist: Die Wahl eines Modells sollte immer mit einer medizinischen Fachperson abgestimmt werden, vor allem nach frischen Verletzungen oder bei anhaltenden Schmerzen.
So legst du eine Sprunggelenkbandage richtig an
Damit eine Bandage wirklich hilft, muss sie gut sitzen. Ein zu lockeres Modell bringt kaum Stabilität, ein zu enges kann einschneiden und stören.
Allgemeine Schritte für Bandagen
- Die richtige Größe wählen
Miss Umfang von Knöchel und gegebenenfalls Fußumfang an den Stellen, die der Hersteller angibt. Je genauer, desto besser kannst du die vorgegebenen Größen nutzen. - Haut vorbereiten
Der Fuß sollte sauber und trocken sein. Schmuck, Fußkettchen oder Fußringe vorher abnehmen. - Bandage anziehen
Elastische Bandage: Von vorn nach hinten über den Fuß streifen, Zehen vollständig durch, Ferse in die vorgesehene Aussparung einpassen.
Gurtsystem: Zuerst den Grundstrumpf oder die Grundbandage überziehen. Anschließend die Gurte über dem Spann kreuzen und seitlich um den Knöchel führen. Sie werden meist so geschlossen, dass sie das Umknicken nach außen oder innen begrenzen. - Sitz kontrollieren
Die Bandage soll fest, aber nicht schmerzhaft eng anliegen. Prüfe, ob Zehen warm bleiben und du sie frei bewegen kannst. Druckstellen oder stark einschnürende Kanten sind ein Zeichen, dass nachjustiert werden muss. - In den Schuh schlüpfen
Probiere nach dem Anlegen deine üblichen Schuhe aus. Oft passt ein flacher, stabiler Schuh mit ausreichend Platz im Vorfuß besser als ein sehr enger Schuh. Wenn du Druck spürst, kann es helfen, die Schnürung anzupassen.
So legst du eine Sprunggelenkorthese richtig an
Orthesen sind meist etwas aufwendiger im Handling, geben aber auch mehr Halt. Die Grundschritte ähneln sich, sind aber etwas klarer geführt.
- Vorbereiten
Strümpfe ohne dicke Nähte tragen, damit nichts scheuert. Bei vielen Orthesen gehört ein dünner Strumpf als Unterlage direkt dazu. - Fuß positionieren
Der Fuß sollte in einem rechten Winkel zum Unterschenkel stehen. Viele Orthesen sind so geformt, dass die Ferse in eine Art Mulde rutscht. - Seitenteile anlegen
Die seitlichen Schalen oder festen Teile werden links und rechts an Fuß und Unterschenkel gelegt. Sie sollten eng anliegen, ohne zu drücken. - Gurte schließen
Klettgurte werden in der vorgegebenen Reihenfolge geschlossen. Häufig beginnt man knapp oberhalb des Sprunggelenks und arbeitet sich nach unten oder oben vor. Ziehe die Gurte so fest, dass du dich sicherer fühlst, aber nicht eingeschnürt. - Im Stand testen
Stell dich hin, gehe ein paar Schritte. Fühlt sich das Sprunggelenk klar geführt an, ohne dass du starke Druckschmerzen spürst, ist der Sitz in der Regel gut. Bei Taubheitsgefühlen oder starkem Einschneiden die Gurte wieder öffnen und neu anpassen.
Wie lange soll eine Bandage oder Orthese getragen werden
Die Tragedauer hängt stark von der individuellen Situation ab. Häufig ergeben sich folgende Phasen:
- In der frühen Phase nach dem Umknicken wird die Versorgung oft ganztägig empfohlen, vor allem bei längerem Gehen oder Stehen.
- Mit zunehmender Sicherheit im Fuß wird der Einsatz auf belastende Situationen beschränkt, etwa längere Spaziergänge, unebenes Gelände oder bestimmte Aktivitäten.
- Langfristig nutzen manche Menschen bei bestehender Bänderschwäche Bandagen gezielt bei Gelegenheiten, in denen das Risiko fürs Umknicken höher ist.
Wichtig ist, die Sprunggelenkmuskulatur nicht dauerhaft komplett zu entlasten. Viele Menschen kombinieren das Tragen einer Bandage mit gezielten Übungen, um den Fuß Schritt für Schritt wieder selbst tragfähiger zu machen.
Woran du eine gut passende Bandage erkennst
Einige einfache Kontrollfragen helfen dir im Alltag:
- Fühlst du dich sicherer auf unebenem Boden
- Kannst du deinen Alltag besser bewältigen, ohne ständig Angst vorm Umknicken zu haben
- Gibt es keine anhaltenden Druckstellen, Blasen oder Taubheitsgefühle
- Lässt sich der Schuh noch schließen, ohne dass der Druck zu groß wird
Wenn du eine oder mehrere Fragen klar mit Ja beantworten kannst, ist das ein guter Hinweis, dass das gewählte Hilfsmittel zu dir und deinem Sprunggelenk passt.
Tipps für den Alltag mit Bandage oder Orthese
- Ziehe bequeme, möglichst stabile Schuhe mit fester Sohle vor.
- Achte auf rutschfeste Böden im Bad und in der Dusche.
- Nimm dir bei Treppen oder Bordsteinen etwas mehr Zeit und halte dich wenn möglich am Geländer fest.
- Kontrolliere die Haut nach längeren Tragezeiten, besonders an Knochenvorsprüngen wie den Knöcheln.
Sprunggelenkbandagen und Orthesen können ein wichtiger Baustein sein, um nach einem Umknicken oder bei Bänderschwäche wieder mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen. Gut ausgewählt und richtig getragen unterstützen sie dich dabei, dein Sprunggelenk zu entlasten und trotzdem aktiv zu bleiben.


